In einem offenen und konstruktiven Gespräch mit Oliver Mathias, Hauptamtsleiter der Stadt Rüdesheim, haben sich Vertreter des Vereins Umweltzukunft Rheingau e.V. sowie der Initiative RheingauCleanUp über Maßnahmen zur Müllvermeidung und die Etablierung eines möglichen Mehrwegsystems ausgetauscht.

Thorsten Reil, erster Vorsitzender von Umweltzukunft Rheingau e.V., und Henrike Wink von RheingauCleanUp betonten die Notwendigkeit nachhaltiger Lösungen – insbesondere mit Blick auf die große Anzahl an Touristen in Rüdesheim. Ein erster Schritt könnte die Einführung eines Pfandsystems für Getränkebecher sein, das eine einfache und attraktive Handhabung für Einheimische und Gäste ermöglicht. Dabei wurde die Idee entwickelt, Pfandbecher nicht ausschließlich an den Ausgabestellen zurückzugeben, sondern auch an Pfandsäulen auf Parkplätzen. Die Rückgabe könnte über ein QR-Code-gestütztes System erfolgen, das eine bequeme Pfanderstattung bietet – insbesondere für Tagestouristen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt wäre die Gestaltung eines Bechers. Dieser sollte nicht nur funktional sein, sondern auch einen erkennbaren Bezug zur Stadt Rüdesheim haben und sich als attraktives Souvenir eignen. So könnte ein langfristiger Mehrwert entstehen, der zur Reduktion von Einwegmüll beiträgt und gleichzeitig eine emotionale Verbindung zur Stadt schafft.

Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung einer interkommunalen Zusammenarbeit im Rheingau. Da viele Gemeinden mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind, könnte ein gemeinsames Mehrwegsystem den Verwaltungsaufwand reduzieren, Kosten senken und die Akzeptanz sowohl bei Betrieben als auch bei Verbrauchern erhöhen. Einheitliche Pfandbechersysteme, die in mehreren Städten genutzt werden können, wären ein großer Vorteil für Gastronomiebetriebe, Veranstalter und Gäste. Würde der Rheingau als Region ebenfalls auf dem Becher abgebildet, könnte ein austauschbares Städtelogo die Attraktivität für die gesamte Region steigern.

Darüber hinaus könnte sich durch die Einführung eines funktionierenden Mehrwegsystems eine lokale Branche für das professionelle Spülen von Pfandbechern und -geschirr entwickeln. Dies könnte sowohl in festen Spüleinrichtungen als auch durch mobile Spüllösungen erfolgen, die insbesondere bei Veranstaltungen und Festen zum Einsatz kommen. Spülmobile könnten Veranstalter dabei unterstützen, Mehrweg praktikabel umzusetzen und somit einen entscheidenden Beitrag zur Müllvermeidung leisten.

Neben dem ökologischen Aspekt bietet sich hierbei auch eine sozial-integrative Komponente: Soziale Einrichtungen könnten in ein solches System eingebunden werden und Menschen mit Unterstützungsbedarf eine sinnvolle und nachhaltige Beschäftigung ermöglichen.

Einig waren sich die Gesprächspartner darüber, dass eine reine Verpackungssteuer – wie sie möglicherweise durch den Deutschen und Hessischen Städtetag empfohlen wird – nicht ausreichen würde, um das Müllaufkommen effektiv zu senken. Zwar könnten dadurch kommunale Einnahmen generiert werden, doch wäre nicht sichergestellt, dass Gewerbetreibende tatsächlich auf Mehrweglösungen umsteigen. Vielmehr besteht die Gefahr, dass die Steuer an die Verbraucher weitergegeben wird, ohne das Problem der Einwegverpackungen entscheidend zu verringern.

Das Gespräch mit Herrn Mathias hat gezeigt, dass die Stadt Rüdesheim offen für nachhaltige Lösungen ist und aktiv nach Möglichkeiten sucht, um die Müllproblematik zu reduzieren. Umweltzukunft Rheingau e.V. und RheingauCleanUp freuen sich über den konstruktiven Austausch und werden die weitere Entwicklung eng begleiten, um gemeinsam mit der Stadt und den Gewerbetreibenden eine praktikable und zukunftsfähige Lösung zu erarbeiten.